Das Drei Säulen Modell
Alle drei Säulen haben einen natürlichen Anteil, den jeder Mensch bei der Geburt geschenkt bekommt, sie haben einen Erfahrungsanteil, der aus Lebenserfahrung kommt und sie haben die Möglichkeit, durch Schulung vergrößert zu werden. Die Vergrößerung durch Schulung kann der größte Teil einer Säule werden.
Aus welchen Fähigkeiten bestehen diese Säulen?
Die erste Säule beschreibt gesellschaftliche und individuelle Fähigkeiten der Selbstbehauptung und der Machtausübung über Andere und sich selbst. Diese Fähigkeiten stützen sich auf den Willen des Menschen. Die zweite Säule beschreibt die intellektuellen Fähigkeiten, die Intelligenz, die Rationalität, die sich alle auf das Denken stützen. Die dritte Säule beschreibt Fähigkeiten wie die Empathie, das Mitfühlen, das aktive Zuhören, die sich auf das Fühlen stützen. Zu beobachten ist eine unterschiedlich hohe Ausbildung der drei Säulen. Das kann sich darstellen in der Dominanz einer und der Unterordnung der anderen beiden Fähigkeitssäulen, oder in der Dominanz zweier Fähigkeitssäulen und einer Unterordnung der dritten Fähigkeitssäule. Auch gibt es Menschen, die das Gleichgewicht und die Gleichgewichtung aller drei Fähigkeitssäulen anstreben. Mir gefallen Menschen am besten, die danach streben, ihre drei Säulen im Gleichgewicht zu haben, ich bemühe mich darum, bei mir einen solchen Zustand zu erreichen.
Beschreibung der ersten Säule:
Wenn die erste Säule allein ausgebildet ist, sieht sie anders aus, als wenn die anderen Säulen auch ausgebildet sind. Sie muß sich sogar zweimal verändern. Die erste Änderung war während und nach der Zeit der Aufklärung, als die zweite Säule dazu kam, die zweite Änderung ist jetzt, wo die dritte Säule hinzukommt. Die erste Säule alleine gab es in der Zeit des Obrigkeitsstaates. Adel und Klerus gaben den Weg vor und das Volk folgte. Dieses Folgen wurde gelehrt und gelernt im Militär, im Staatsdienst, in der Kirche, in der Familie, in der Gesellschaft. Hier bildeten sich die Gewohnheiten und Charakteristiken der ersten Säule pur aus. Der König befiehlt etwas, der Untertan gehorcht und führt es aus. Der Bischof predigt etwas, das Volk nimmt es an und glaubt es. Der Arzt verschreibt ein Mittel, der Patient nimmt es und erwartet, dass er gesund wird. Der Vater und sein Kind, der Lehrer und seine Schüler, der Star und seine Fans, egal ob im Fußball oder in der Oper, sind alles Verhältnisse zwischen Menschen, die sich der ersten Fähigkeitssäule bedienen. Es geht bei der ersten Säule um die Wirkung von Autorität und Gehorsam, von Vorbild und Nachahmung, von Führer und Geführtem, von Chef und Arbeiter, von Erzieher und Zögling. Diese Fähigkeiten sind gesellschaftlich elementar, denn jeder Mensch wird in ein solches Verhältnis hineingeboren, jeder steht irgendwann in seiner Biographie vor der Aufgabe, dieses Verhältnis zu verwandeln in ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Gleichberechtigten. Dann wirkt die erste Säule aber nicht mehr alleine. In Gesellschaften, die kaum oder wenig von der zweiten und dritten Säule entwickelt haben, wird die Wandlung in ein partnerschaftliches Verhältnis kaum stattfinden. Die ältere Generation bleibt immer eine Autorität für die jüngeren.
Beschreibung der zweiten Säule:
Würde die menschliche und gesellschaftliche Entwicklung nicht zur dritten Fähigkeit kommen, so würde die Polarisation der zwei ersten Fähigkeiten die Welt in Abgründe und Zerstörung werfen. Das wurde erlebbar durch die atomare Bedrohung am Ende des 20. Jahrhunderts oder wird deutlich zu Beginn des 21. Jahrhunderts durch die Börsen-, Wirtschafts- und Finanz-Krisen. Immer mehr sensible Menschen verstehen, dass es so nicht weiter gehen kann und dass nur eine grundlegende Wende uns aus den Krisen führen kann. Diese Wende beginnt in jedem einzelnen Menschen, indem er in sich über die Zweiheit von Macht und Wissen hinaus kommt und in sich die dritte Säule entdeckt und entwickelt. Dieses wird andere Menschen anregen, ebenfalls die dritte Säule in sich zu bemerken und sie zu entwickeln.
Beschreibung der dritten Säule:
Seitdem ist es jedem Menschen möglich, sich die Fähigkeiten der dritten Säule zu erwerben und Vorstellungen und sich Begriffe von den Fähigkeiten der dritten Säule anzueignen. Die Verbreitung solcher neuer Fähigkeiten geht nicht explosionsartig, sondern erst langsam und dann immer schneller, also exponentiell. Zum Erwerb dieser neuen Fähigkeiten sind auch Hindernisse und Hürden zu überwinden. Eine der schwierigsten Hürden ist das Selbstbewusstsein, das wir Menschen haben, die wir uns unserer Macht-Fähigkeiten und unserer intellektuellen Fähigkeiten bewusst sind. Wir sind wer und wir können was! Mit diesem Selbstbewusstsein hat man es schwer, sich einzugestehen, dass ein ganzes Drittel der möglichen Fähigkeiten noch brach liegt, dass man ziemlich bei Null anfangen müsste, um diese Fähigkeiten zu erwerben. Man hat doch bisher ganz gut gelebt, es kann doch gar nicht sein, dass mir etwas fehlt! Nun zeigen sich aber die Krisen, die wir als Zweidrittel-Menschen verursacht haben: Beziehungskrisen, Vertrauenskrisen, Umweltzerstörung, Geld- und Kreditkrise, Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Armut usw. Eine Spirale nach unten gewinnt an Fahrt und reißt uns mit sich, bis wir aufwachen und merken, dass wir daran etwas ändern können, wenn wir etwas an uns ändern: Die dritte Säule uns erwerben, sie vergrößern, so dass sie neben den beiden anderen ausgebildeten Säulen nicht untergeht, sondern ihren Beitrag zu meinen Fragen und Entscheidungen leistet.
In der Zeit, in der die zweite Säule noch das Maß der Dinge war, haben wir Menschen verehrt, die einen hohen IQ haben. Dieser alleine kann uns jetzt nicht weiterhelfen. Inzwischen ist der Begriff „hochsensibel“ geprägt für Menschen, die eine hohe natürliche Begabung für die Fähigkeiten der dritten Säule haben. Die Stars der Zukunft werden Menschen sein, die alle drei Säulen hoch entwickelt haben und die es schaffen, diese verschiedenen Fähigkeiten miteinander zu verbinden, so dass sie in Harmonie und ohne Widerspruch zur Geltung kommen. Wer die Harmonie nicht schafft, der blockiert sich selber, indem eine Säule nach rechts zieht und die andere nach links.
Nun ist es aber für uns erst einmal an der Zeit zu erkennen, dass das Gefühl kein Ausgestoßen-Dasein in der Subjektiv-Ecke zu fristen hat, sondern dass es auch einen wichtigen Beitrag zu unserem Erkennen zu leisten hat: Die Verbindung von mir zu mir, von meinem Denken zu meinen Taten und umgekehrt und die Verbindung von mir zu dir und wieder umgekehrt. Von alleine geht das nur bei sehr begnadeten Menschen. So wie wir schreiben und rechnen und die anderen Fähigkeiten der zweiten Säule in der Schule und Universität lernen müssen, müssen wir auch die Fähigkeiten der dritten Säule erlernen. Dies geschieht nicht in der Universität, sondern z. B. in einer Arbeitsgruppe „Gewaltfreie Kommunikation“ oder in einer Mediation oder im Coaching. Hilfsmittel sind nicht Papier und Stift, sondern z. B. Rollenspiele, Spiegeln, Aktives Zuhören, Doppeln und anderes und viele Versuche, Gefühle auszudrücken und zu beschreiben.